Dietmar Seibert
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Roman (Exposé)

Roman:

Exposé zu meinen Roman:

Titel: Zum Schluss ist es immer das Herz

Thema: Die Sorge einer Generation um ihr Alter - Ein Lebensentwurf auf dem Prüfstand Umfang: 250 Seiten Zielgruppe: ab dem jungen Erwachsenenalter, erschienen im: Projekte Verlag, Halle - ISBN 978-3-86634-252-1 Preis: 12,50 €  Bestellmöglichkeiten

Ausführlicher Inhalt: Der Gymnasiallehrer Thomas Wegener, Anfang 40 aus Lindau, fährt in seine Heimatstadt, eine Kleinstadt irgendwo im nördlichen Hessen. Er betritt nach 23 Jahren wieder die Eingangshalle des Altenheimes, in dem er einst seinen Zivildienst absolvierte. Das damalige „Altersheim" ist nun in „Seniorenresidenz" umbenannt und er vergleicht so manche Veränderung mit seinen inneren Bildern von damals. Jetzt ist er hier, um einen Pflegeplatz für seine Mutter zu bekommen. Er begreift sich als Bittsteller und diesen Ort als eine Endstation für seine Mutter. Auf der Tafel in der Eingangshalle liest er noch einen ihm bekannten Namen: Elisabeth Pulk, eine Bewohnerin von damals. Er beschließt sie aufzusuchen.

Die Hoffnungslosigkeit um den Zustand seiner Mutter wird ihm erst nach und nach bewusst. Er begreift den nahenden Abschied. Seine Mutter ist seit dem kürzlich erlittenen Schlaganfall nicht mehr ansprechbar. Zudem sieht er sich einem unüberwindlichen Berg von Formalitäten gegenüber, von der Festlegung auf die Art der Bestattung bis zur Auflösung ihres Hausrates und dem möglichen Verkauf ihres Hauses. Er fühlt sich überfordert. Er ist allein. Geschwister gibt es nicht. Sein Vater ist bereits vor Jahren verstorben.

Sein Aufenthalt hier bringt ihn zum Nachdenken. Schließlich reist er unverrichteter Dinge ab, doch er findet auf der Fahrt zurück ins vier Stunden entfernte Lindau nur schwer zu seiner inneren Zufriedenheit mit sich und seinem geordneten Leben zurück.

In Lindau holt ihn der Schulalltag schnell wieder ein. Abends hilft er im Restaurant, das seine Frau und ihr Bruder betreiben. Sein freundschaftliches Verhältnis zu Gerd, einem Experten im Zeppelinbau, beginnt zu bröckeln, als dieser arbeitslos wird. Unterdrückter Neid setzt sich durch.

Dann reist Thomas wieder zu seiner Mutter. Ein mysteriöser Traum um jene Heimbewohnerin Elisabeth Pulk verunsichert ihn, besonders dann, als er erfährt, dass sie in der Nacht verstorben ist, als er diesen Traum von ihr hatte.

Endlich ringt er sich durch, ins Haus seiner Mutter zu fahren, um dort nach dem Rechten zu sehen. Ein Maklertermin steht an. In ihrem Haus begegnet er ihr, jungen Frau, beim betrachten alter Fotos. Erinnerungen flammen auf. An ihrem Bett kann er keinen Zugang mehr zu ihr finden.

Während seiner Besuche in der Seniorenresidenz, bewohnt er ein Gästeappartement des Hauses, wo er auf die Pflegerin Maria Salvatori trifft. Beide fühlen sich zueinander hingezogen. Er beginnt eine Liebesbeziehung mit ihr. Von seiner Frau fühlt er sich in der Sorge um seine Mutter im Stich gelassen. Maria hat alles, was er an seiner Frau vermisst. Doch Maria hat ihre eigene beklagenswerte Geschichte, durch die weite Teile ihres Handelns von einem Schuldkomplex bestimmt sind. Trotz ihrer Gewissensbisse erliegen beide ihren gegenseitigen Anziehungskräften.

Nun beginnt Thomas sein Leben zu hinterfragen. Er sucht nach seinen Vorsätzen und Idealen von damals. Er erfährt die unmenschlichen Pflegebedingungen hautnah, unmenschlich auch für das Pflegepersonal, darunter seine Geliebte. Nun nimmt die Angst vor der hier allgegenwärtigen Alterseinsamkeit auch von Ihm Besitz.

Zurück in Lindau beschließt er, sich von seiner Frau zu trennen, doch er schafft es nicht. Seine Ehe ist mittlerweile eine reine Zweckgemeinschaft, doch die Erfahrung einer Familie erlebt er, das Einzelkind, zum ersten Mal und ausschließlich hier. Emotionen zerreiben ihn. In diesem inneren Konflikt kommt ihm ein Brief seiner Mutter in die Hände, eine letzte Verfügung, in der sie ihn um Sterbehilfe bittet.

Die Probleme häufen sich. Christine, die Tochter seines Freundes Gerd wird zur Rivalin seiner Tochter Melli um den gemeinsamen Freund. Die Lage spitzt sich zu, es kommt zum Suizid. Nun stellt sich heraus, das Christine schwanger war. Seine Freundschaft zu Gerd erstarrt. Als er von der gleichgeschlechtlichen Liebesbeziehung seiner Frau zu einer ihrer Angestellten erfährt, zieht er aus. Seine soziale Isolation beginnt. Er hofft auf eine Zukunft mit Maria, doch sie ist ungewiss.

Er fährt schließlich mit Maria nach Italien um ihre Tante zu besuchen. Dort erlebt er sich völlig neu. Der Enthusiasmus seiner Jugend scheint wieder zum greifen nah, Maria ist jung und hübsch, doch er fühlt sich müde und alt. In den Dialogen kreisen beide zunehmend um den Notstand in der Altenpflege und um die Sorge um ihr eigenes Alter. Als sie wieder zurückkehren, hat seine Mutter einen weiteren Schlaganfall erlitten. Ihr Zustand verschlimmert sich und wird schließlich für beide unerträglich. Die Verfügung, in der seine Mutter für diesen Fall um aktive Sterbehilfe bittet, erweist sich als nicht durchsetzbar. Maria wird schließlich zu seinem verlängerten Arm an seiner Mutter und sie beschließen eigenverantwortlich Maßnahmen, die den Tod der Mutter beschleunigen sollen, was ihre Beziehung auf die Probe stellt.

Als Thomas schließlich seinen Führerschein verliert, beginnt er zu trinken. Er wird eifersüchtig, fürchtet Maria zu verliefen. Jetzt sitzt er in Lindau fest, seine finanziellen Mittel lassen keine Spielräume mehr zu. Er sucht einen Therapeuten auf, zudem er jedoch kein Vertrauen aufbauen kann. Seine Mutter liegt im Sterben, er lässt Maria mit ihr alleine. Schließlich leiht er sich doch Geld und reist mit der Bahn, doch er kommt zu spät. Seine Mutter ist tot. Wieder ist er zu spät und wieder steht er an einem Scheidepunkt.  Er hofft auf eine Zukunft mit Maria, doch ob sie zustande kommt, bleibt offen, sowie die Frage, in wieweit ihr eigenverantwortliches Handeln zu Tod seiner Mutter geführt hat.

Handlungsorte: Der Roman spielt zum einen in Lindau am Bodensee, wo Thomas Wegener mit seiner Frau und seiner 18-jährigen Tochter lebt, und zum anderen in einer mittelhessischen Kleinstadt, in der seine Mutter im Altenheim dahinsiecht und in der er aufgewachsen ist. Der Ort wird nicht genannt. Sein Zusammentreffen mit der Pflegerin Maria Salvatori (eine Halbitalienerin) verändert schließlich sein Leben. Ein weiterer Handlungsort ist daher der Lago die Garda in Italien, wo ihre Tante lebt.

Kurzporträt der zentralen Figuren:
   Thomas Wegener, 43 Jahre, Deutsch- und Mathematiklehrer in Lindau, verheiratet, aber weniger aus Leidenschaft, sondern aus dem Bedürfnis heraus, zu einer Familie gehören zu wollen. Er ist als Einzelkind vaterlos aufgewachsen und leidet darunter bis heute. Als Kind war er sehr verschlossen, ein Einzelgänger, zählte sich als 20jähriger zur politischen Linken, überzeugter Pazifist, leistet Zivildienst in einem Altenheim. Jetzt ist er Beamter mit gesichertem Auskommen. Er ist berechnend und berechenbar, korrekt bis in die Steuererklärung. Er vermeidet Bindungen aus Leidenschaft, Verlustängste hemmen ihn. Er genießt es jedoch, wenn sich die Frauen in ihn verlieben. Sein Selbstwertgefühl ist unzertrennlich mit der Zuneigung der Frauen verbunden. Er hat ein atheistisches, humanistisches Weltbild, fühlt sich einer Ethik der Verantwortung verpflichtet. Sein Verhältnis zu seiner Mutter ist eher abgekühlt. Als sie einen Schlaganfall erleidet und nicht mehr ansprechbar ist, ist er überfordert. Er beginnt über sein Leben nachzudenken. Er ist fasziniert von der Pflegerin Maria, aber er fürchtet den Schmerz, den sie ihm zufügen könnte. Er fürchtet nichts mehr als die Einsamkeit. Je mehr er sich aber in seine Ängste steigert, umso mehr zieht er das Befürchtete auf sich.

   Maria Salvatori, Pflegerin in der Seniorenresidenz, 35 Jahre, sehr attraktiv, südländischer Hauttyp. Sie ist Halbitalienerin, in Deutschland aufgewachsen. Sie hat sich gerade von ihrem jähzornigen Mann getrennt, hat ihre Tochter bei einem Verkehrsunfall verloren, für den sie sich verantwortlich fühlt. Ihre Ehe ist daran zerbrochen. Sie denkt katholisch, handelt aber letztlich aus ihrem Bauch. Sie ist schlagfertig und spontan, naturverbunden und unberechenbar. In der Liebe ist sie eindeutig, hier will sie alles oder nichts. Seit dem Tod ihrer Tochter sind weite Teile ihres Handelns durch einen Schuldkomplex bestimmt.

   Erfriede Wegener, Mutter von Thomas Wegener. Hat einen Schlaganfall erlitten, liegt im Koma. Sie kommt nur in den Erinnerungen des Sohnes und in einem Brief an ihn zu Wort. Ihre Geschichte wird nur indirekt erzählt, ihr Schicksal dient als Hintergrundkulisse.

   Petra Wegener, Ehefrau von Thomas Wegener, 39 Jahre, durchschnittlich attraktiv, betreibt mit ihrem Bruder ein gut gehendes Restaurant in der Inselstadt Lindau, ein Familienbetrieb mit Tradition, in den sie ihre gesamte Energie einbringt. Sie akzeptiert ihre abgestandene Ehe mit Thomas bis sie schließlich zu einer gleichgeschlechtlichen Liebe zu ihrer Angestellten Julia findet. Sie lebt diese heimlich, bis Thomas sie überrascht.

   Gerd, 43 Jahre, Ingenieur bei CargoLifter AG, jetzt arbeitslos. Mit Thomas verbindet ihn eine langjährige Männerfreundschaft. Er lebt ebenfalls in Lindau, verheiratet, zwei Töchter, Anna und Christine. Er hat dort gebaut. Die Familien kennen sich.

   Melanie Wegener (Melli), Tochter von Thomas und Petra Wegener, Einzelkind, 18 Jahre, attraktiv, extrovertiert, verwöhnt. Sie hat gelernt, wie man Menschen gegeneinander ausspielt, mit bitteren Folgen.

Zur Geschichte: Es ist letztlich die Geschichte eines Einsamen, der seinen Platz in der Gesellschaft hinterfragt, der nach einer Verantwortung sucht, die er aber nicht wirklich tragen will, und den die Angst vor seinem eigenen Alter quält. Es ist aber auch eine prickelnde Liebesgeschichte zweier Menschen, die von ihrer wechselseitigen Anziehungskraft überrollt werden. Gleichzeitig ist es ein Zusammenspiel unterschiedlicher Charaktere, deren Berührungspunkte zu Reibungsflächen werden, in einer Gesellschaft, die sich immer weniger als eine Solidargemeinschaft begreift. Der Titel „Zum Schluss ist es immer das Herz" ist ein Zitat einer Pflegekraft. Am Ende des Romans, als der Protagonist sie fragt, wie seine Mutter denn gestorben sei, ob es das Herz gewesen sei, antwortet sie mit dieser Floskel: „Zum Schluss ist es immer das Herz"

Motivation: Meine Motivation zu diesem Roman ist zunächst in meiner Selbsterfahrung in der Altenpflege während meines Zivildienstes (1980/81) begründet, später durch eine Vorstandstätigkeit in einer Sozialen Einrichtung mit angegliederten Heimen, sowie als Pianist durch meine zahlreichen Benefizkonzerte für soziale Einrichtungen oder deren Träger im gesamten Bundesgebiet. Dazu kommt ein weit gespannter Freundeskreis im Sozial- und Gesundheitswesen, durch den ich immer wieder mit der Notstandssituation in der Stationären Pflege konfrontiert werde, und der mir auch zu verschiedenen Recherchen diente. Ich wollte aber auch der Frage nachgehen, wie sich jemand fühlt, der als Einzelkind aufgewachsen ist, vaterlos, ohne den Beistand eines nahen Angehörigen in einer Situation wie dieser. Meine Motivation ist aber auch in der Kritik an einer Gesellschaft begründet, die die Verantwortung für ihre produzierten Randgruppen nicht mehr übernimmt, in der einerseits die Medizin in der Lage ist, Leben bzw. lebenserhaltende Körperfunktionen bis ins „unmenschliche Alter" zu verlängern, aber andererseits niemand mehr die Last der dahinsiechenden Pflegefälle tragen will. Daneben möchte ich aufzeigen, wie sehr in einer modernen, Gesellschaft, die Individuen mit sich selbst beschäftigt sind, indem sie ihre Werte immer wieder hinterfragen, aufgebaute Lebenskonzepte wieder verwerfen und darüber ihre Mitverantwortung an der Gestaltung einer zukunftsfähigen Gesellschaft verschlafen, gleichzeitig aber auch die Hilflosigkeit, mit der sie sich den beschleunigten Entwicklungen ausgeliefert fühlen.


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Leseproben

In nebenstehendem Link Leseproben finden Sie einen Ausschnitt aus meinem Roman, der einen kleinen Einblick in den Ton und in die Grundstimmung des Romans geben soll.
Auf der Webseite der Uni Marburg unter: „Deutsch im 20. Jahrhundert, W.Näser 2k2ff." finden Sie eine Lesung vom 7.11.2007 im Hörsaalgebäude Biegenstraße. Die gesammte Lesung ist dort mit Tonmitschnitten eingestellt. Die Auswahl der Texte war zu dem Thema "Pflegenotstand" zusammengestellt.


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