Dietmar Seibert
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Banales

Was keinen Interessiert

Möglicherweise haben Pflanzen Gefühle und tauschen Informationen aus. Doch wenn im Frühjahr die Baumbeschneider der Kommunen den verkrüppelten Kreaturen an den Gehwegen wieder ihre frischen Triebe abzwacken, im Sommer an den Wochenenden die Rasenmäher brummen, wenn achtlos mit großem Gerät ratz fatz ein ganzer Wald „geerntet" wird, oder ein über Generationen gewachsener stattlicher Baum vor einem Haus binnen einer Stunde einer Motorsäge zum Opfer fällt, spätestens dann wird mir klar, dass das wohl kaum einen Menschen interessiert. Ich muss jedoch in solchen Situationen an die sensationellen Forschungen von Cleve Backster denken, den seinerzeit renomierten Spezialisten für Lügendetektor-Analysen in den USA, der entdeckte, dass Pflanzen emotional auf menschliche Gedanken reagierten, oder an die Publikationen von Rupert Sheldrake über die Pflanzenkommunikation innerhalb „morphogenetischer Felder" und viele andere.

Manchmal denke ich, diese und ähnliche Entdeckungen sind Hoffnungsspritzer am dunklen Horizont hinsichtlich eines erneuerbaren kollektiven Bewusstseins in unseren modernen Gesellschaften, in deren Weltbilder sich in den letzten Jahrhunderten lediglich dingliche Vorstellungen von der Natur ausbreiten konnten.

Doch wer einmal einen Blick aus der Luft auf reine Kulturlandschaften, wie beispielsweise die des Münsterlandes wirft, Bedeutungen von Begriffen wie "Holzpreisspekulation" oder "Agrarindustrie" kennt, wer sich im Kampf um einen achtvollen Umgang mit dem zur "Fleischproduktion" bestimmten Vieh die Nase bricht, verliert schnell die Illusion der Ausbreitung eines Weltbildes, in dem so etwas wie Würde in allem Lebendigen existiert. 

Dietmar Seibert, März 2008


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