Dietmar Seibert
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Humorvolles

Typenlehre

Eine kleine Typenlehre über Schüler, Lehrer, Musiker und sonstige Personen

Wie wäre der Alltag trist, wenn man ihn nicht gelegentlich mit Humor füllen würde. Wie könnte man sich selbst ertragen, wenn man sich nicht gelegentlich mit Humor einen Spiegel vorhalten würde. Im Folgenden lesen Sie eine Typenlehre, aus dem Alltagsleben zusammengestellt. (Die Typenlehre für Lehrer ist ausschließlich aus Beiträgen von Schülern entstanden. Weitere Beiträge erwünscht >> Kontakt.)

Schülertypen (Klavierschüler):

Lehrertypen:
(von Schülern erstellt)

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neuster Witz Schüler über Lehrer:
Können Lehrer schwimmen? ... Natürlich nicht, weil sie 1. hohl sind und 2. nicht ganz dicht :-D


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Lehrertypus - Der Überflieger

Der Überflieger ist Mitarbeiter des Monats, von der Sekunde an, in der er als Referendar seinen Fuß auf das Schulgelände setzt, bis zu dem Tag an dem er, mindestens vier Jahre nach offiziellem Beginn seiner Rente mit schwerem Herzen endgültig die Schule verlässt.
Er ist der Stern am Lehrerhimmel, der seinen eigenen Parkplatz direkt vor der Schule hat und keiner weiß, woher eigentlich; unter Lehrern wird er etwa so angesehen wie man selbst früher den "coolen" älteren Jungen auf dem Schulhof angesehen hat, der mit sechs Jahren schon einen eigenen Haustürschlüssel und mit sechzehn ein Tattoo hatte, während man selbst die Eltern vergeblich um ähnliche Privilegien anflehte. Springt der Überflieger von einer Klippe, so tut es ihm das Kollegium nach und die Schulleitung bezeichnet das Ganze als "pädagogisch wertvoll".
Er unterrichtet meist Geisteswissenschaften oder Poltitik, oder wie wir sie liebevoll auch nennen: "Laberfächer". Daher ist er unter Schülern auch berüchtigt für seine besonders schwierigen mündlichen Prüfungen und Präsentationsprüfungen im Abitur. Während der Abiturzeit löst sein Name Angstschweißanfälle aus und wird überhaupt nur im Flüsterton ausgesprochen.

Wenn er in der Schule ist (also immer, einen Überflieger kann keine Krankheit aufhalten!!), ist er im Sekretäriat anzutreffen, wo er konstruktive Kritik an den Aktivitäten der Schulleitung übt (in der er selbstverständlich Mitglied ist, aber nur am Rande, zuallererst ist er Lehrer aus Leidenschaft) und dabei Kaffee aus seiner Stammtasse schlürft, die seit 30 Jahren am selben Platz steht. Auch mit dem Schulleiter ist er per-Du und kann diesem, wenn er es für angebracht hält, das eine oder andere mahnende Wort sagen, ohne, dass es ihm krummgenommen wird. Der Schulleiter unterstützt außerdem alle seiner (nicht gerade wenigen) Projekte.
Ansonsten sieht man ihn in der Bibliothek, wo er neues Material für seine Schüler beschafft und mit dem Bibliothekspersonal oder wahlweise auch den gerade zufällig anwesenden Kollegen über die Weltnachrichten debattiert, über die er sich nicht mithilfe von einer, sondern von mindestens fünf Tages- sowie Wochenzeitungen informiert hat.
Langweilige Lehreraufgaben wie etwa Pausenaufsicht sieht man ihn hingegen selten übernehmen. Wo soll er dafür auch die Zeit finden?
Wenn seine Schüler ihm dann aber doch mal auf dem Schulhof oder im Gang begegnen, werden sie dafür sogleich belohnt. Er bleibt stehen, stellt seinen Aktenkoffer und zwei bis fünf Stofftaschen, in denen er weiteres Material transportiert, ab und zaubert sogleich ein Informationsheft oder manchmal auch eine Multimedia-CD hervor (...in besonders seltenen Fällen, munkelt man, auch ein Bonbon...). Er hat davon zu jedem gegebenen Zeitpunkt ein ganzes Sortiment bei sich. Der Schüler, der sein eigenes Glück natürlich gar nicht fassen kann, darf dieses Geschenk dann bis zur nächsten Unterrichtsstunde durcharbeiten und seine Erkenntnisse dem Kurs mitteilen.

Mit Vorliebe übernimmt der Überflieger Leistungskurse, die er trimmt und aufpoliert bis aus ihnen regelrechte HOCHleistungskurse werden. Oder so hätte er es jedenfalls gerne... Denn hier zeigen sich seine negativen Seiten: Er lässt sich sehr deutlich anmerken, welche Schüler er für "würdig" hält und welche nicht. Himmelhoch lobt er die, die den Ruf seines Kurses bzw. seinen eigenen aufrecht erhalten, indem sie besondere Lernleistungen erbringen und Wettbewerbe gewinnen. Wer nicht ständiges Engagement zeigt (ja, selbstverständlich auch außerhalb der Unterrichtszeit!), wird schnell vergessen und wer es wagt auch noch unter dem Durchschnitt zu liegen, der wird sehr schnell zum Prügelknaben des Überfliegers. Dieser merkt zwar selbst diese Bevorzugung vermutlich nicht, aber sie tritt immer wieder auf. So nimmt er in seinen Unterrichtsstunden mit Vorliebe zuerst die schwächeren Schüler an die Reihe, denen er dann knapp 2,5 Sekunden Zeit gibt, um wortwörtlich die Antwort zu liefern, die er hören will, bevor er sie unterbricht und stattdessen seinen ganz persönlichen Überflieger-Nachwuchs befragt, der jeden Tag die Zeitung liest und bestens über die Börse informiert ist.

Mit seinem Unterricht ist es ohnehin so eine Sache, denn er schafft es trotz seines hohen Ansehens als Lehrer in erstaunlich viel Zeit erstaunlich wenig Lehrstoff zu vermitteln. Den Großteil müssen seine Schüler sich selbst erarbeiten (oft mithilfe von Emails mit 15-seitigen Anhängen die er mit Vorliebe zwischen 22:01 und 0:37 schickt). Anstelle des Lehrplans unterrichtet er häufig das, was er selbst spannend findet. Im Prinzip keine schlechte Taktik, frustrierend wird es für seine Schüler nur, wenn er ihnen dann drei Wochen vor ihrer Abiturprüfung mitteilt "Lernt übrigens auch mal [Thema XX], das wird im Abi gerne genommen!" woraufhin Google und Wikipedia ihm seine Aufgabe als Lehrer abnehmen.

Das alles hat aber einen Grund: Der Überflieger und seine Schüler sind einfach mit wichtigeren Dingen beschäftigt! So macht jeder seiner Kurse im Schuljahr mindestens einen Ausflug, etwa in die Hauptstadt, um dort während eines überaus straffen Programmes so viele Orte und Politiker wie möglich zu besuchen. Das Ganze geschieht selbstverständlich immer im Rahmen eines Wettbewerbbeitrags, denn Schülerwettbewerbe gibt es wie Sand am Meer und ein Überflieger gewinnt sie. Immer. Es gibt ja in der Schule noch reichlich kahle Wände, an denen man überdimensional große Geldschecks aufhängen könnte!
Jedes mal, wenn seine Schüler wieder etwas dermaßen Erstaunliches unternommen haben, erscheint desweiteren darüber ein von den Schülern selbst verfasster Zeitungsartikel, aber erst nachdem er ihnen diesen fünfmal zur Korrektur zurückgeschickt und ihn schließlich doch fast komplett selbst geschrieben hat. Später erscheint dann natürlich auch einer darüber, wie sie den Wettbewerb gewonnen und die zugehörige Preisverleihung besucht haben. Man will ja schließlich informiert sein. Egal worum es geht: Fallen in einer Zeitungsüberschrift der Name der Schule und das Wort "Gewinn", so wird im Bericht sein Name zu lesen sein. Das geschieht mindestens einmal die Woche.

So erlangt der Überflieger auch seine hohe Stellung in der Schule und die Bewunderung seiner Kollegen, die es ihm, so sehr sie es auch alle versuchen, einfach nicht nachmachen können - unabhängig davon, ob seine Schüler ihn lieben oder hassen, ob sie allesamt im Abitur versagen oder die Bestnote erreichen oder ob sie gemeinsam ein Mordkomplott gegen ihn planen - er bringt der Schule gute "Publicity". Es ist das Geheimnis seines Erfolgs!


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