Dietmar Seibert
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Klaviertechnik verbessern

arbeiten an der Technik

Von großen Pianisten wurde bereits viel Richtiges über Klaviertechnik geschrieben. Daher wollte ich mich nicht mit Ratschlägen wiederholen, die bereits gegeben wurden. Doch mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass bei Vielen, die ihre Kunst auf den schwarzen und weißen Tasten optimieren wollen, die Ratschläge der „Großen" nicht greifen. Von vielen Weltpianisten wissen wir, dass ihre außerordentliche Begabungen bereits im frühen Kindesalter in die richtigen Bahnen gelenkt wurden. Das Klavier wurde zur Muttersprache und es ist für sie schier unmöglich, die Schwierigkeiten zu begreifen, mit denen jemand kämpft, für den das Klavier zunächst eine Fremdsprache ist. Sicher gibt es wertvolle, allgemeingültige Aussagen über die Ökonomie der Bewegungen. Doch was ist, wenn sie bei dem, der sie anwenden will, nicht greifen?

Es ist leicht gesagt, einen abstehenden Finger an den Tasten zu lassen oder das Handgelenk locker. Aber was, wenn es nicht gelinkt? In „Fundamentals of Piano Practice" ist das mentale Spielen als Allheilmittel empfohlen. Es ist unverzichtbar, das ist auch für mich keine Frage, aber es löst nicht so verheisungsvoll die Probleme, wie es scheint - finde ich. Wer beim Erlernen einer guten Klaviertechnik auf der Stelle tritt, oder besser gesagt: wer beim Verbessern einer bereits angelegten mangelhaften Klaviertechnik verzweifelt, den holt auch das Mentale Spiel nicht aus der Sackgasse. Die neuronalen Verschaltungen im Gehirn bei schlechten Bewegungsmustern sind weitaus komplexer, als dass sie sich auf die Formel: mentales Spiel + absolutes Gehört = gute Bewegungsmuster (gute Technik) gebracht werden könnten.

JJedem, der auf diese Seite stößt sind sicher seine Mängel bekannt und sicher hat er sich auch schon an den unterschiedlichsten Methoden aufgerieben. Ich stelle daher eine ganz grundlegenden Übung in den Vordergrund, mit der man nach meiner Erfahrung ganz außerordentliche Wirkung erzielen kann, besonders dann, wenn man bereits eine schlechte Technik erworben hat und mit ihr auf der Stelle tritt. . Ich sehe sie mittlerweile als die entscheidende Übung am Anfang der Arbeit an der Technik an: die „Fingerpräsenz-Übung" Sie ist eine reine Wahrnehmungsübung und sie ist, wie das Mentale Spiel, überall durchführbar. Man braucht dazu kein Klavier. Ob mentales Spiel oder Spiel auf dem Instrument, es bedarf der bewussten Wahrnehmung vieler sensorischen Impulse und zwar gleichzeitig. Bewegungsmuster stupide zu trainieren - das ist bei „Fundamentals of Piano Practice" und vielen anderen Kapiteln über Klaviertechnik völlig richtig beschrieben, ist mit Sicherheit der falsche Weg und seien die Bewegungsmuster noch so gut. Wenn die Finger komplett „automatisch"laufen (von mir als die „motirische Falle" bezeichtet), führt zwangsläufig dazu, dass sich die Bewegungsmuster der Wahrnehmung und damit dem Bewusstsein entziehen. Mancher Schüler mag aufgrund einer strengen und guten Instrumentalerziehung bereits zu sehr viel gleichzeitiger Kontrolle gekommen sein, aber demjenigen, der technisch in der Sackgasse steckt, fehlt sie nach meiner Erfahrung komplett. Und daher stelle ich sie an den Anfang jeglicher Arbeit an der Technik.

Eine weitere wichtige Voraussetzung für die Arbeit an der Technik ist das Üben in Gruppen. Es ist auch auf anderen Portalen beschrieben. Zumindest ist es unverzichtbar, dass man in einem Stück viele unabhängige Einstiegsstellen hat und dass man Passagen in kleinste Teile zerlegen kann. Dann kann die Arbeit an der Technik mittels differenzierter Anschlagsarten beginnen. Auf meiner Seite „Anschlagsarten zum erlernen virtuoser Werke" unterscheide ich 4 Anschlagsarten, die sozusagen als Eckpfeiler dienen. Bei anderen Schulen zur Klaviertechnik werden mehr Anschlagsarten unterschieden. So z.B. bei Alfred Höhn 16. Ich halte es der Übersicht halber für gut, zunächst nur 4 Anschlagsarten zu unterscheiden. Es sind auf meiner Seite die Anschlagsarten 1-4, die anderen sind keine wirklichen Anschlagsarten, sondern Übungen. Erweitert man jedoch die 4 Anschlagsarten, indem man sie mischt, erhält man am Ende ebenfalls eine Vielzahl von Differenzierungen, mit denen man klangliche Unterschiede erzeugen kann.

Auch hier gilt, wer die Anschlagsarten stupide übt, wird vom Regen in der Traufe landen.

Ich denke, vor allem ist es eine Arbeit an der inneren Haltung. Der größte Feind einer guten Klaviertechnik ist die Ungeduld - nicht jedoch zu verwechseln mit „Hartnäckigkeit", mit der man sich „gegen die Wand übt". Man sollte Gefallen an einem „guten Körpergefühl" beim Spielen haben und nicht vordergründig nach oberflächlichen akustischen Effekten haschen. In diesem Sinne sollte man Gärtner sein und Spaß beim Pflegen seiner Pflanzen haben und dann erkennen, wie sie von selbst wächst. Viele wollen das „Wachsen" machen und ziehen an den Pflanzen und machen damit nur die Wurzeln wieder lose.

Über den Sinn der Anschlagsarten und die richtige Anwendung werde ich ein andermal weiterschreiben. Jedem, der hier landet (und offenbar wird meine Seite viel unter Suchbegriffen zum Thema Klaviertechnik aufgerufen) biete ich an, sich mit seinem speziellen Problem über mein Kontaktformular zu melden. Ich helfe gerne weiter.

12. März 2014 - Text wird fortgesetzt


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