Dietmar Seibert
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Leserbriefe

Leserbrief zum Thema: Sterben der Innenstadt - erschienen 19.12.2012 in Herborner Echo und Dill-Zeitung

Dill-Zeitung und Herborner Echo berichteten über die durch die Kälte bedingte geringe Besucherzahl beim Dillenburger Weihnachtsmarkt.

Leserbrief zum Thema: Sterben der Innenstadt

„Wenige Anbieter und wenige Besucher in der Kernstadt", titelte Dill-Zeitung und Herborner Echo am Freitag. Als ein „Trauerspiel" wurde der Weihnachtsmarkt in Dillenburg bezeichnet. Händler hätten vorzeitig ihre Sachen gepackt und seien wieder abgereist. Wer zur gleichen Zeit in Herborn gewesen ist, weiß, dass es nicht an der Kälte gelegen hat. Herborn war nämlich überfüllt. Profitiert Herborn zur Zeit noch von den Dillenburg-Flüchtlingen, so fürchte ich: Herborn wird diesem bedauerlichen Trend folgen, denn Herborn rudert dem doch ach so umworbenen Besucherstrom kontinuierlich entgegen. Es geht um die Parkplätze! Erst am Eitzenhöfer sind wertvolle innenstadtnahe Parkplätze einem Neubau zum Opfer gefallen. Jetzt sollen die Parkplätze am Pertuisplatz folgen. Der Verweis auf Parkplätze, die bereits jetzt schon überfüllt sind und auf solche, die hinter dem Bahngelände entstehen sollen, täuscht den aufmerksamen Beobachter nicht darüber hinweg, dass bereits jetzt schon Besucher die Stadt unverrichteter Dinge verlassen, weil sie keinen Parkplatz finden. Es bleiben in diesem Zusammenhang die 1-Stunden-Parkplätze in der Innenstadt lobend zu erwähnen. Am Beispiel Dillenburg müsste man eigentlich sehen, dass der Verlust solcher Parkmöglichkeiten so manchem Geschäft den Garaus gemacht hat. Es sind nicht die Anwaltskanzleien oder luxuriösen Eigentumswohnungen, die eine Innenstadt am Leben erhalten. Es sind die Geschäfte und Lokale und die müssen in Zeiten des Individualverkehrs bequem mit dem Auto zu erreichen sein, ob es einer Kommune nun gefällt oder nicht. Sie kämpfen um Marktanteile, leiden unter hohen Pachten und Mieten und selbst eingesessene Familienunternehmen sind auf jeden Kunden angewiesen. Bleibt zu hoffen, dass die Kommunalpolitik in Herborn über genügend Weitsicht verfügt, um Bürgern und Besuchern eine der attraktivsten Innenstädte Mittelhessens zu erhalten und dass nicht jeder Quadratmeter verkauft werden muss um den Haushalt zu sanieren.

Dietmar Seibert, Herborn


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